und Deutschland – Vergangenheit und Zukunft

IV. Internationaler Literaturwettbewerb

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IV. Internationaler Literaturwettbewerb „Jugend schreibt Gedichte“
Berlin 2016 – Entscheidung der Jury

 

 

Liebe Kinder, verehrte Jugendliche,

wir danken Euch ganz herzlich für Eure Teilnahme an unserem Literatur-wettbewerb. In diesem Jahr hatten sich 178 Schüler aus Deutschland, Polen und Luxemburg gemeldet. Die Jurysitzungen waren voller Emotionen und Rührung, ehrlichen Lachens und ernsthafter Reflexion. Wir freuen uns sehr, dass Ihr Euch für unseren Wettbewerb interessiert. Wir danken Euren Lehrerinnen und Lehrern und Betreuern für ihr Engagement und ihre Motivation. Schon heute möchten wir Euch dazu ermuntern, an der nächsten, fünften Jubiläumsauflage unseres Wettbewerbs „Jugend schreibt Gedichte 2017” teilzunehmen.

Und das sind die Sieger des diesjährigen Wettbewerbs:

Kategorie I a – interessantestes eigenes Gedicht in polnischer Sprache, eingereicht von Kindern bis 14 Jahren, die außerhalb Polens lebenI.

I. Platz – Marta Lizer, 14 Jahre, Luxemburg, „Prawda” („Die Wahrheit”)

Dieser kurzen, glitzernden und zugleich tiefen Reflexion darüber, wie die Wahrheit in unserer heutigen, kommerzialisierten Welt funktioniert, hat die Jury einstimmig den I. Platz zuerkannt, wobei sie den überraschenden Vergleich des vieldeutigen, abstrakten Begriffes – der Wahrheit – mit etwas so irdischem und Konkretem wie Kaugummi betonte. Bravo!

II. Platz ex aequo – Alicja Kozłowska, 12 Jahre, Luxemburg, „Bajka o Kózce” („Märchen vom Zicklein”)

Humor kann man nie genug haben! Hier hat die junge Autorin, inspiriert vom Gedicht „Była sobie żabka mała” („Es war einmal ein kleiner Frosch”) ein wunderschönes Gedicht für die Jüngsten geschrieben, das nicht schlechter ist als die von erwachsenen, professionellen Autoren geschriebene Gedichte: witzig, rhythmisch, leicht und mit guten Reimen.

II. Platz ex aequo – Eryk Szefler, 13 Jahre, Luxemburg, „Bitowy świat” („Bit-Welt”)

Wir haben den Preis für die gute Pointe und eine reife Herangehensweise an einThema vergeben, das das gesellschaftliche Problem des Versinkens in die  virtuelle Welt thematisiert.
Warum ex aequo? Weil diese Gedichte zwei unterschiedliche literarische Konventionen repräsentieren. „Das Märchen vom Zicklein” kann man in der tief verwurzelten klassischen Tradition, in der belehrenden Kinderlyrik sehen, während „Bit-Welt” eine poetische, kritische Reaktion auf die uns umgebende, im Computerbildschirm eingeschlossene Welt ist. Die Zusammenstellung dieser Gedichte zeigt die Bandbreite der Interessen heutiger Kinder sowie unterschiedliche Erziehungsmuster.

III. Platz – wurde nicht vergeben

Auszeichnung: Helena Markiewicz, 12 Jahre, Luxemburg, „Czerwona szminka” („Roter Lippenstift”)

Für die Jury war es das kontroverseste Gedicht in dieser Kategorie, das widersprüchliche Emotionen bei der Beurteilung seines Niveaus hervorrief. Das Malerische und Filmische der hier angehäuften „Poetik des Schauderns” wurde unterstrichen, aber auch seine Abgedroschenheit und Übertriebenheit, die eine Folge dieser Anhäufung sind. Deshalb sind wir zu dem Schluss gekommen, dass das Gedicht es durch seine Andersartigkeit verdient, in unserem Wettbewerb ausgezeichnet zu werden.

Kategorie I b – interessantestes eigenes Gedicht in polnischer Sprache, einge-reicht von Jugendlichen bis 19 Jahren, die außerhalb Polens leben

I. Platz – Julia Klimczak, 18 Jahre, Köln, „Mamusiu…” („Mutti…”)

Einstimmig haben wir den I. Platz in dieser Kategorie für das mutige, rührende Sichmessen mit dem schwierigen Thema der Abtreibung vergeben, voller warmherziger, bildhaft starker Emotionen. Der lyrische Monolog des sprechenden Subjekts, voller Fragezeichen, Ausrufezeichen und Verheim-lichungen bringt die Dramatik des Problems auf ergreifende Weise zum Ausdruck. Hut ab!

II. Platz – Hubert Kłaczko, 17 Jahre, Köln, Gedicht ohne Titel

Wir haben diesen Preis für den äußerst rhythmisch geschriebenen poetischen Spaziergang durch Krakau verliehen. Das Gedicht ist reich an literarischen Kontexten und zeigt eine hervorragende Kenntnis der Stadt und ihrer nBesonderheiten. Und worauf man besonders achten sollte: es rühmt Polen, ohne Pathos zu benutzen!

III. Platz – Natalia Wójcik, 16 Jahre, Luxemburg, „Ciemność” („Dunkelheit”)

Wir haben diesen Preis für ein Gedicht über eine Trennung, das nicht banal ist, verliehen. Spannend fanden wir die interessanten literarischen Vergleiche und die Reife der doch so jungen Autorin. Wie möchten sie zum Weiterschrieben ermuntern. Auszeichnungen: Jakub Lelek, 16 Jahre und Michał Dubiel, 16 Jahre, Düren für die zugeschickten Limericks. Lachen ist gesund! Deshalb haben wir, obwohl wir ein bisschen zu viel Derbheit in den zugeschickten Limericks verspürten, diese Auszeichnungen mit einem breiten Grinsen verliehen, weil sie witzig und geistreich geschrieben sind.

Kategorie I c – interessantestes eigenes Gedicht in polnischer Sprache, eingereicht von Kindern bis 14 Jahren, die in Polen leben

I. Platz – Dominik Krok, 13,5 Jahre, Węgrzce Wielkie, „Śliska bajka o ślicznym ślimaczku Feliksie” („Schlüpfriges Märchen von der schönen Schnecke Felix”)

Bravo, Bravo, Bravo! Ein in jeder Hinsicht konkurrenzloses Gedicht! Einstimmig haben wir den I. Platz in dieser Kategorie einem Gedicht verliehen, das wir als „lautmalerische Sinfonie” bezeichnet haben. Die Geschichte der Schnecke, gezeigt in einer urkomischen Wortform, bringt sowohl Erwachsene als auch Kinder zum Lachen. Wir sind zum Schluss gekommen, dass dieses Gedicht neben künstlerischen Werten auch konkrete praktische Werte besitzt: es kann Ausländern, aber beispielsweise auch Schauspielern, Fernseh- und Radiosprechern und Rednern dazu dienen, die richtige Aussprache zu üben!

II. Platz – Julia Muszyńska, 13 Jahre, Lublin, „Słoik z uśmiechem” („Einmachglas mit Lächeln“)

Das Gedicht ist ein Meisterwerk. Einen Preis gibt es für die versteckte, nicht mit befehlendem Zeigefinger verkündete Botschaft, die von der Vorzüglichkeit der kindlichen Fantasie zeugt und eine Menge positiver Energie auf den Leser überträgt. Schreib weiter, Julia!

III. Platz ex aequo – Jakub Dolecki, 11 Jahre, Lublin, „Sen o wolności’ („Traum von der Freiheit“)
III. Platz ex aequo – Wiktoria Łuć, 12 Jahre, Lublin, „Bliźniaczki’“ („Zwillings-schwestern“)

Wieso ex aequo? Weil beide Gedichte sehr authentisch sind. Wir wollten keines der beiden ohne Auszeichnung lassen. Die kindliche Fantasie, Märchenhaf-tigkeit, aber zugleich die schlichte Sprache und magische Schilderung haben uns sehr beeindruckt. Ach, dieses Lublin!

Kategorie I d – interessantestes eigenes Gedicht in polnischer Sprache, einge-reicht von Jugendlichen bis 19 Jahren, die in Polen leben

I. Platz ex aequo – Julia Socha, 16 Jahre, Łódź, „***“
I. Platz ex aequo – Julia Pawłowska, 15 Jahre, Lublin, Gedicht ohne Titel

Wieso ex aequo? Wir gaben beiden Julias in dieser Kategorie den I. Platz für nachdenkliche Gedichte, voller poetischer Vorstellungskraft, die die Hoffnungen und Bedenken der heutigen Jugendlichen reflektieren. Beide Gedichte sind sehr universell. Sicher könnten junge Menschen aus aller Welt ähnliche (wenn auch sicher nicht so gute!) Gedichte schreiben. Auf der einen Seite Furcht, Anderssein, Einsamkeit, Ablehnung wie „eine blaue Kornblume in einem Feld voller Mohnblüten” (Pawłowska), auf der anderen Seite wiederum Hoffnung und der Glaube an die Grundwerte: Liebe, Güte, Uneigennützigkeit. Wir gratulieren!

II. Platz – Maciej Henryk Modzelewski, 16,5 Jahre, Białobrzegi, „Ja-Człowiek” („Ich – der Mensch“)

Das wohl kontroverseste Gedicht im diesjährigen Wettbewerb! Die Meinungen der Jury gingen weit auseinander. Aber wir haben beschlossen, ihm diese Auszeichnung zu geben, da man an diesem Gedicht nicht gleichgültig vorbeikommt, ohne nachzudenken: es zeigt, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, die Zwiespältigkeit der menschlichen Natur.

III. Platz – Maria Krawczyk, 15 Jahre, Lublin, „Trawa” („Gras“)

Den III. Platz gab es für die Vorstellungskraft und Feinfühligkeit. Wir ermutigen die Autorin zu weiteren literarischen Reisen. 15 Jahre ist ein schwieriges Alter in unserem Wettbewerb, dennoch gelang es Maria, viele ältere Konkurrenten in dieser Kategorie „zu schlagen“.

Auszeichnung – Andrzej Jagiełłowicz, lat 17, Warszawa, „Zagubiony” („Verloren“)

Wir waren vom poetischen Bild und der einzigartigen Stimmung in diesem Gedicht beeindruckt. Andrzej, wir warten auf NEUE Gedichte im nächsten Jahr!

Kategorie II a – beste eigene Übersetzung eines polnischenLieblingsgedichts ins Deutsche, bis 14 Jahren

I. Platz – Michał Pawłowski, 14 Jahre, Węgrzce Wielkie, „Verlorene Brille” Original: Julian Tuwim „Okulary“

Wir hätten nicht gedacht, dass in dieser Kategorie ein in Polen lebender junger Übersetzer gewinnen würde. Und doch. Reime, Rhythmus und Melodie stimmen mit dem Original überein. Die Übersetzung lässt sich sehr gut lesen. Bravo!

II. Platz– Sophia van de Loo, 10 Jahre (!!!), Berlin, „Die Fliege“ Original: Jan Brzechwa „Mucha“

Einstimmig vergaben wir den II. Platz in der Kategorie an diese junge Übersetzerin. Die Übersetzung zeigt den Witz des Originals, enthält sehr interessante Lösungen von Wortvergleichen. Wir sind uns sicher, dass hier eine wunderbare Übersetzerin von polnischer Literatur heranwächst!

III. Platz – wurde nicht erteilt

Kategorie II b – beste eigene Übersetzung eines polnischen Lieblingsgedichts ins Deutsche, bis 19 Jahren

I. Platz – wurde nicht erteilt

II. Platz – Marzena Kozak, 18 Jahre, Krakau, „Unsicherheit” Original: Adam Mickiewicz „Niepewność”

Die Auszeichnung für diese Übersetzung gab es, weil man das Gedicht auf Deutsch flüssig und angenehm lesen kann. Man will es einfach lesen. Und welch eine Chuzpe, den Mut zu haben, eines der schönsten Gedichte von Mickiewicz zu übersetzen. Chapeau!

III. Platz ex aequo – Piotr Oleksy, 17 Jahre, Krakau, „Der Sturm” Original: Maria Pawlikowska-Jasnorzewska „Burza“
III. Platz ex aequo – Weronika Wysopal, 18 Jahre, Jelenia Góra „Der Betrunkene” Oryginał: Andrzej Bursa: „Pijany”

Wieso ex aequo? Beide Übersetzer waren es wert, ausgezeichnet zu werden. Schwierige Gedichte, fast fehlerfrei übersetzt unter Beibehaltung der poetischen Vision des Originals. Wir ermutigen zu weiteren Übersetzungsversuchen!

Kategorie III a – beste eigene Übersetzung eines deutschen Lieblingsgedichts ins Polnische, bis 14 Jahren

I. Platz ex aequo – Olga Obrzut, 14 Jahre, Węgrzce Wielkie „Polna różyczka” Oryginał: Johann Wolfgang von Goethe: „Heidenröslein”

Diesen ersten Platz gab es für den Ehrgeiz und den Mut, ein so klassisches Gedicht auszuwählen, für den ausgezeichnet eingehaltenen Rhythmus und das Sprachgefühl.

I. Platz ex aequo – Filip Reginek, 11,5, Jahre Dobrzeń Wielki „Ciocia Celina Ciepłokońca” Oryginał: Lea Smulders „Tante Trude Trippelstein”

Den ersten Platz gab es für den guten Humor und durchdachten Sprachwitz. Und wieso ex aequo? Wieso nicht? Schließlich haben sowohl Węgrzce als auch Dobrzeń den Beinamen „Wielkie“ – also „Groß“!

II. Platz – Michał Trzaska, 14 Jahre, Węgrzce Wielkie, „Niezbędne ciut!” Original: Peter Rosegger „Was nötig wäre!“

Diese Auszeichnung verliehen wir Michal insbesondere für das Verstehen des Sinnes im Originalgedicht und für seine Kreativität. Zudem lässt sich die Übersetzung gut lesen.

III. Platz – Helena Maria Klocek, 14,5 Jahre, Lublin, „Latarnik gwiazd” Original: Mascha Kaléko „Der Sternanzünder”

Diesen Preis gab es nicht nur für die Einhaltung der Stimmung des Originalgedichts, die wunderschönen Vergleiche und die kreative Herangehensweise an literarische Bilder, aber vor allem für die poetische Übersetzung des Titels.

Kategorie III b – beste eigene Übersetzung eines deutschen Lieblingsgedichts ins Polnische, bis 19 Jahren

I. Platz ex aequo – Arkadiusz Gromek, 15 Jahre, Lublin „Przypowieść o kolei” Original: Erich Kästner „Das Eisenbahngleichnis” Arkadiuszs Übersetzung hat den Rhythmus eines fahrenden Zuges – das Symbol für alle möglichen Äußerungen des menschlichen Lebens. Schon nach dem ersten Lesen war uns klar, dass diese Übersetzung erstklassig ist. Ein hervorgehobener und in der Übersetzung beibehaltener Rhythmus und eine Akzentuierung wie im deutschen Original. Einfach sehr gut!

I. Platz ex aequo – Nina Urantówka, 17 Jahre, Krakau, „Morze wiosną” Original: Stine Andersen „Das Meer im Frühling“

Diese Arbeit erhielt von uns ebenfalls den ersten Platz. Eine wunderschöne Übersetzung. Ein getreues Spiegelbild der Sonettstruktur. Dank einer geschickten Wortwahl in Ninas Übersetzung verschwindet das Pathos des Originals. Dadurch wirkt das Gedicht leichter und fröhlicher. Bravo!

Wieso ex aequo? Weil beide Übersetzungen auf ähnlichem, hohem Niveau sind, waren wir nicht in der Lage zu beurteilen, welches besser ist. Einstimmig entschlossen wir uns, beiden den ersten Platz zu geben.

II. Platz – Magdalena Urbańska, 18 Jahre, Częstochowa „Znaczek pocztowy” Original: Joachim Ringelnatz „Die Briefmarke“

Das Gedicht ist eine „Perle“. Handwerklich gut, eine ausgezeichnete Wortwahl. Getreue Wiederspiegelung des originalen Rhythmus und Reimschemas. Zusätzlich eine große Portion Humor. Und davon kann es nie zu viel geben. Wir hoffen, dass Magdalena uns im nächsten Jahr wieder überrascht.

III. Platz – Alicja Maria Hołowiecka, 18 Jahre, Lublin, „Tęsknota” Original: Mascha Kaléko „Sehnsucht nach dem Anderswo“

Diese Übersetzung haben wir aufgrund ihrer Kreativität ausgezeichnet. Zwar wurde im Titel die Sehnsucht nach dem Anderswo ausgelassen, aber dadurch ist das Thema universeller und rätselhafter geworden. Und der verwendete Sprachstil erinnert an Mascha Kaléko und dafür gibt es den dritten Platz!

Wir gratulieren allen Preisträgern!

 

 

Jury des IV Internationalen Literaturwettbewerbs „Jugend schreibt Gedichte”,
Berlin 2016

Der IV. Internationale Literaturwettbewerb „Jugend schreibt Gedichte” wird dank der finanziellen Förderung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, sowie der Botschaft der Republik Polen realisiert. Danke!