Goldmünzen des Spätmittelalters
Goldmünzenprägung im frühen und hohen Mittelalter
Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert
Seit und zur Regierungszeit des Kaisers Ludwig der Fromme* wurde in Europa über Jahrhunderte keine Goldmünzen geprägt. Die letzten Goldmünzen im frühen Mittelalter in Europa waren die goldenen Solidi Ludwigs, denn über Jahrzehnte wurde nur noch mit Silbergeld bezahlt. Um größeren Geldbeträge zu bezahlen, wurden in Europa der goldene byzantinische Solidus oder das arabische Gold Dinar*, verwendet. Die europäischen Goldmünzen erschienen erst wieder im 12. Jahrhundert und der Sizilien König Roger II. führte ab 1140 den Tari*, ein. Das Geld, das sich an arabischen Goldprägung orientierte hatte den Wert eines ¼ Dinars.
In Spanien und Portugal lebten nebeneinander die Christen und die Muslime. Die Muslime eroberten im 8. Jh. größte Teil der Halbinsel und natürlich führten ihr eigenen Münzwesen ein. Es ist kein Wunder, dass die Könige – Alfons von Kastilien* in Spanien und Sancho I.* in Portugal, führten jeweils ein Morabitino*, ein. Das Geld orientierte sich stark in Schrift und Bild an die arabische Prägung. Erst der sizilianische König und Kaiser Friedrich II.* ließen neben den Taris eine Goldmünze prägen, die sich nach byzantinischem Augustalis* orientierte.
Ab 1231 wurde, seit Ludwig dem Frommen, in Brindisi und Messina erste, rein europäische Goldmünze geprägt, weil bei der keinen direkten Bezug zu arabischen Goldmünzen gab. Auf der Vorderseite zeigte die Prägung den Kaiser Friedrich II, das kaiserliche Herrschaftssymbol, den Adler wurde auf der Rückseite geprägt.
Im Jahre 1252 war Stadtrepublik Florenz sehr reich und wichtig, deswegen entschloss sich die Regierung eigene Goldmünzen zu prägen. Ziel war es, die den blühenden Handel der Florentiner Kaufleute zu unterstützen und dafür hochwertige Goldmünzen auf den Markt zu bringen. Es wurde eine Münze, der Fiorino d´oro* (Goldgulden) eingeführt, deren das Erscheinungsbild über Jahrzehnte lang in fast ganz Europa nachgeahmt wurde. Zur gleichen Zeit führte die Stadt-republik Genua eigenen Goldmünzen, den Genovino d`oro*, ein. Die Münze war jedoch nur in Genua und Umland in Umlauf, und erreichte bei weitem keine so große internationale Bedeutung, wie die Fiorino*. Genovino war als Münze bis 1415 geprägt, bis die in Dukat * umbenannt wurde.
Die erste goldene Dukat-Münze wurde schon im Jahre 1284 durch die Republik Venedig eingeführt. Republik Venedig lag an der Adria, eine Lagunenstadt in hervorragender Lage, deren weitreichender Handel die venezianischen Kaufleute, darunter auch Marco Polo*, über das Mittelmeer bis hin zu dem Asien führte. Um die Chance, mit Florenz und Genua konkurrieren zu können zu verbessern, hat Venedig eigene Goldmünze eigeführt – den Dukat, Ducato d´oro bzw. Zecchino. Die Münze orientierte sich exakt an dem Gewicht und Feingehalt an dem Florino d´oro, der dreißig Jahre zuvor ausgegeben wurde. Die Münze aufgrund hohe Prägezahl erlangte viel Akzeptanz bei den Kaufleuten und hatte sich schnell verbreitet, besonders in Osteuropa und Vorderasien. Als Beginn der Goldmünzenzeitalters Europas wurden die drei italienische Goldmünzen Florino, Genovino und Ducato gesehen. Besonders der Dukat und der Goldgulden sind von kaum zu überschätzender Bedeutung für die europäische Geldgeschichte geworden (Rene Frank, Goldene Zeiten – die bewegte Geschichte europäischer Goldmünzen, S. 15).
Weiß Du, dass …
– die Republik Venezien prägte den Dukat bis zum Verlust ihrer Selbständigkeit durch Napoleon Bonaparte im Jahre 1797
Barbara H. Seemann – Trojnar
* Ludwig der Fromme (778-840) war Sohn Karls der Großen und ab 781 König des fränkischen Reiches; dann ab 813 bis 840 Kaiser
* arabischer Gold Dinar ist eine (historische) islamische Goldmünze, die über Jahrhunderte eine führende Währung im islamischen Raum. Heute oft als Sammlerobjekt* Tari (Tarino), war der Name einer Münze aus Sizilien und Malta
* Dukat ist eine Goldmünze, die besonders in den Ländern rundum Mittelmeer im Umlauf war (bis zum 20.Jhr.)
* Feingehalt ist der Massenanteil des hochwertigen Edelmetalls in einer Münze oder Schmuckstück; angegeben wird er in Promille
* Promille (lat. pro Im Verhältnis zu und mille tausend) steht für Zahl 0,001 (1/10 von einem Prozent)
Bibliografie:
Rene Frank: Goldene Zeiten – die bewegte Geschichte europäischer Goldmünzen