und Deutschland – Vergangenheit und Zukunft

Stanislaus Leszczyński (1677 – 1766)

Stanisław  Leszczyński

Stanisław Leszczyński

Stanislaus Leszczyński, Wojewode von Posen, vom Wappen Wieniawa, umfassend gebildet, geistreicher Denker, Kunstmäzen, König von Polen (1704-1709 und 1733-1736), Herzog von Lothringen und Bar (1738-1766).

Nach den siegreichen Schlachten gegen Russland (Schlacht von Narva, 1700) und Sachsen (Schlacht von Dźwina, 1701) sind schwedische Kräfte in Polen einmarschiert. Ein Jahr später (1702) konnten die Schweden einen weiteren Sieg – diesmal gegen polnische Truppen – bei Kliszów verzeichnen. Sie besetzten das Gros des Landes. Die überwiegende Zahl der Kämpfe wurde auf dem Gebiet und auf Kosten der polnischen Republik geführt. 1704 nahmen schwedische Truppen Warschau ein. Ein Teil des der sächsischen Herrschaft feindlich gesinnten polnischen Adels sah es als Chance, den sächsischen König August II. zu entthronisieren. Zu diesem Zweck wurde unter der Ägide des polnischen Primas Michał Radziejowski (seit 1687) die Konföderation von Warschau geschlossen, welche den Sturz des Sachsen vom Thron vorbereitete. Auf Druck des schwedischen König Karl XII. wurde Schwedens Anhänger im Großen Nordischen Krieg, Stanislaus Leszczyński, zum König von Polen erklärt.

Die Mehrheit des polnischen Adels unterstützte jedoch weiterhin den gestürzten König August II. und schloss zu seiner Verteidigung die Konföderation von Sandomir (Sandomierz). Trotz dieser Maßnahme und einer breiten Unterstützung seitens Russlands musste der Sachse weitere Niederlagen hinnehmen. Nach dem Einmarsch der schwedischen Kräfte in Sachsen im Jahre 1706 wurde August II. gezwungen, auf den polnischen Thron zu verzichten. 1708 marschierte Karl XII. mit der schwedischen Armee in Russland ein. Ein Jahr später erlitt er dort eine herbe Niederlage bei Połtawa und… floh ins Osmanische Reich. Nach dieser Niederlage verließen schwedische Truppen das polnische Territorium. August II. der Starke kehrte nach Polen zurück und erklärte seine Absetzung für ungültig. Stanislaus Leszczyński floh ins Exil. Über Stambul reiste er nach Frankreich, dort verbrachte er die nächsten 22 Jahre seines Lebens. Im Jahre 1725 heiratete der damals 15-jährige König von Frankreich Ludwig XV. Leszczyńskis Tochter Maria. Mit dem Tod von August II. im Jahre 1733 wurde die polnische Krone frei. Ludwig XV. setzte sich sehr dafür ein, seinen Schwiegervater auf den Thron zurückzuholen, wobei er Leszczyński vor allem finanziell unterstützte. Im September 1733 reiste Stanislaus Leszczyński zu Wahlen nach Warschau, wo er vom polnischen Adel zum König von Polen gewählt wurde. Die Situation verkomplizierte sich, als die Anhänger des Sachsen kurze Zeit später den Nachfolger des verstorbenen August II., August III., zum König von Polen erklärten. Die Lage eskalierte: Es kam zum Polnischen Thronfolgekrieg. Eine Koalition aus Österreich, Russland und Sachsen zwang Leszczyński, Warschau zu verlassen. Er flüchtete nach Danzig, um dort die Ankunft der Franzosen abzuwarten. Die Hilfe der Franzosen kam jedoch nicht. Noch vor der Eroberung Danzigs durch die Koalitionstruppen beschloss Leszczyński, über Kwidzyń und Königsberg (Królewiec) nach Frankreich zu fliehen. In der Zwischenzeit formierte sich die Konföderation von Dzików, um Leszczyńskis Thronbestrebungen zu unterstützen. Leider wurde auch diese von russisch-sächsischen Kräften niedergeschlagen. Zur gleichen Zeit erklärte Frankreich, das ja Leszczyńskis Kandidatur bevorzugte, Österreich, das wiederum zum sächsischen Lager gehörte, den Krieg, der mit dem Wiener Präliminarfrieden 1735 beendet wurde. Im Jahr 1736 dankte Stanislaus Leszczyński endgültig ab, den königlichen Titel hat er allerdings bis zum Ende seines Lebens beibehalten.

In Frankreich ernannte Ludwig XV. Stanislaus Leszczyński zum lebenslangen Herrscher über das reiche Herzogtum von Lothringen und Bar. Leszczyński verwaltete das Herzogtum gut, gerecht und weise. Er war ein ausgezeichneter Kunst- und Wissenschaftsmäzen. Kriege spielten in seinem Leben eine große Rolle – dank ihnen erhielt er die Krone, dank ihnen wurde er gestürzt und musste fliehen. Kriege haben seine republikanische und pazifistische Weltanschauung geprägt. In der Lothringer Periode hat er zahlreiche fortschrittliche Artikel, auch über Politik, veröffentlicht. Auf diese Periode wird die politische Abhandlung „Eine freie Stimme, welche die Freiheit sichert“ (1749) datiert. Leszczyński war Herausgeber dieser Arbeit. Die Abhandlung stützte sich auf einen bereits 1733 auf Polnisch verfassten Beitrag des litauischen Adligen Mateusz Białłozora, einem Anhänger von Leszczyński.

Die Abhandlung zeichnet den Weg zu wichtigen Reformen in Polen:

• Notwendigkeit, die Lage der Bauern, die in großer Armut lebten, zu verändern. Leszczyński schätzte die Arbeit der Bauern sehr
• Forderung der persönlichen Freiheit für die Bauern sowie Abschaffung der Fronen
• Verbesserung der Lage in Städten, im Handel und in der Industrie
• Aufrechterhaltung des Sejms, freier Wahlen sowie des so genannten Liberum Veto, allerdings mit Einschränkungen in der Anwendung
• Stärkung der Zentralmacht auf der Grundlage kollegialer freundschaft-licher Ratschläge der Minister.

Der König Stanislaus Leszczyński war ebenfalls ein Kochkunstmäzen. In Folge seiner guten finanziellen Lage verfügte er über Möglichkeiten, eigens von ihm kreierte Kochrezepte auszuprobieren. Gleichermaßen konnte er es sich leisten, Kochmeister am Hof zu beschäftigen und ihre Rezepte zu verkosten:

• er hat den berühmten Meister Gasparini – den Erfinder von Baiser – aus der Schweiz nach Frankreich geholt
• er hat eine der weltweit besten Bonbonsorten erfunden: Bonbons mit Bergamottegeschmack, Spezialität aus Nancy
• er hat das Gebäck Madeleine, ein kleines Küchlein mit Zitronenge-schmack, bekannt gemacht. Er selbst buk und aß das Gebäck leiden-schaftlich gerne
• er hat ganz zufällig Elsässer Hefenapfkuchen in Rum getunkt. So ist der Punschkuchen entstanden.

Stanislaus Leszczyńskis Leben war auch ein Stoff für klassische Opern, Theaterstücke sowie historische Gemälde. 1840 komponierte Verdi die Oper „Un giorno di regno“. Ende des XIX. Jhs. verfasste Alfred Jarry, französischer Schriftsteller, das Stück „Ubu roi ou les Polonais“. Krzysztof Penderecki bearbeitete den Stoff für seine Oper „Ubu Rex“. Er wurde von Jan Matejko porträtiert.

 Weißt Du, dass

 … Leszczyński als Erster Pläne für eine europäische Vereinigung entwarf? Darüber hinaus war er Befürworter der Idee des Allgemeinen Friedens. Er war fest davon überzeugt, dass nur die Verständigung zwischen einzelnen Staaten die Grundlage für einen den Frieden sichernden Völkerbund bildet

 … zu den schönsten europäischen Plätzen der Place Stanislas in Nancy gehört? Er wurde zu Ehren des polnischen Königs und des Herzogs von Lothringen nach ihm benannt. 1982 wurde der Platz in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen

 

 

Barbara H. Seemann – Trojnar
Übersetzung: Dr. Karolina Brock

 

 

* Krzysztof Penderecki ist ein zeitgenössischer polnischer Komponist

* Jan Alojzy Matejko (1838 – 1893) gilt als einer der bedeutendsten Maler patriotischer Historiengemälde Polens

 

 

Bibliografie
Doc. dr Tadeusz Łepkowski: Kleines Wörterbuch der Geschichte Polens
Alphons Schauseil: Die Loire
Wydawnictwo Valoire: Schlösser der Loire